Sunday, May 6, 2012

UniLog2 und Graupner HOTT für Telemetrie

Wenn ich mit dem T-Rex 450 Heli fliege, habe ich immer ein ungutes Gefühl. Liegt sicher auch daran dass ich noch als blutiger Anfänger zu gelten habe, aber jede Geräuschänderung macht mich nervös. Hat sich die Drehzahl erniedrigt weil der Anstellwinkel so gross war dass auch der Widerstand der Rotorblätter gestiegen ist, mehr als über den Pitch-Mischer kompensiert wurde? Ist der Akku am leer werden? Unterschreite ich die kritische Spannung an einer LiPo Zelle? Ist der Stromfluss zu hoch und ich sollte höherwertige Akkus verwenden? Habe ich irrtümlich einen fast leeren Akku eingebaut?

Vor lauter Fragen traue ich mich fast nicht mehr zu fliegen.

Nachdem sich jetzt langsam die Telemetrie bei den Herstellern in den 2.4GHz Anlagen zu beruhigen beginnt und nicht jedes Jahr ein neues, inkompatibles System auf den Markt geworfen wird, dacht ich mir, das wäre eigentlich optimal für mich. Will nicht viel Geld dafür ausgeben, aber fasziniert wie ich nun mal von solchen Sachen bin, sollte es auch kein Kompromiss sein. Die erste Frage war nach dem Sender, Futaba mit dem SBus gefällt mir von der Technik her sehr gut, aber der einzige Sender der alles an Bord hat, ist der neue FASSTest Sender um über 2000 EUR. Und der SBus bringt etwas bei grossen Modellen, wo die Verkabelung aufwendig ist, nicht bei meinem kleinen Heli.
Die Graupner MX-16 Hott in der neuen Version (Artikelnummer 33116) kostet mit knapp über 300.- EUR ein Zehntel, und laut Datenblatt kann die eigentlich alles was ich möchte. Und ich hatte schon die alter MX-16s im Einsatz. Nach langem lesen war ich von dem Sender und dem Telemetriesystem überzeugt, die Sensoren haben mich nicht angesprochen.
Ich möchte folgende Daten per Telemetrie anzeigen und mich warnen lassen

  • Akku Spannung
  • Spannung jeder Einzelzelle
  • Drehzahl wenn möglich
  • Batteriestrom wäre nett

und zusätzlich habe ich die Forderungen

  • geringes Gewicht
  • geringe Abmessungen
  • Erweiterbar: GPS und Speed macht bei einem Heli kein Sinn aber wer weiss was für Modelle noch kommen werden. Segelflugzeug? Schiff?


Die Sensoren von Graupner waren alle nicht auf den kleinen Heli ausgelegt, alle hatten irgendeinen Nachteil. Und der Sensor ist relativ gross. Am meisten hat mich aber gestört dass man für die Drehzahlmessung entweder einen optischen oder magnetischen Sensor einbauen muss. Hey, ich habe eine Brushless Motor, der Fahrtenregler gibt die Drehzahl exakt vor! Was soll ich dann das Rotorblatt per optischem Sensor "beobachten"? Am liebsten hätte ich ja einen Regler der selbst Telemetriedaten erzeugt, Drehzahl, Temperatur, Drehzahl bei Autorotation,....egal.

Nachdem ich in diveresen Foren gelesen habe welche der drei Module jetzt andere Leute verwenden, bin ich auf die Aussage gestossen, das UniLog sei ganz gut geeignet. Das war schon mal die erste Überraschung, bis jetzt hatte ich das mit dem Jeti-System gleichgesetzt. Dass es auch mit Hott harmoniert, war mir neu. Nach ein paar Minuten lesen war klar, es ist genau das was ich suche. Klein, flexibel, Drehzahl wird über ein Anschlusskabel am Motor gelesen. Und nur geringfügig teurer als die Graupner - Sensoren.



Lieferung kam tags darauf an und innerlich hatte ich mich für einen Kampf gewappnet, das alles auch wirklich in Gang zu bringen. Also alle Elektrik im Heli neu verlegt um die zusätzlichen Bauteile vernünftig zu positionieren, Empfänger mit der Fernsteuerung gekoppelt, ging nicht. Immer nur das rote Blinklicht. Empfänger wieder ausgebaut und da habe ich erst gesehen, der Empfänger hat nicht eine LED die mehrere Farben kann, sondern es sind zwei LEDs direkt nebeneinander verbaut. Wenn man den Empfänger im falschen Winkel ansieht, erkennt man das andere Licht gar nicht. Zusätzlich ist das Timing wichtig, man hat jeweils nur 3 Sekunden Zeit. In den ersten 3 Sekunden muss man den Set-Taster drücken, bis das Licht umschaltet, dann hat man drei Sekunden Zeit am Sender den Bindvorgang auszulösen. Mit guter Vorbereitung kein Problem, wenn der Empfänger bereits verbaut ist und nur mit herumfummeln bedient werden kann, keine Chance.
Nach dieser Hürde habe ich den Sender fertig programmiert, bin in das Telemetrie-Menü gegangen und konnte von dort sofort den Textbildschirm vom Unilog2 bedienen. Über die Fernsteuerung, nix USB Kabel! Mit den Cursortasten oben/unten geht man von einem Punkt zum nächsten, meist sind die Optionen untereinander, in Ausnahmefällen nebeneinander. Wenn man etwa bei den Alarmen ist, bewegt man den Cursor zu der Stromschwelle, drückt Set und stellt den Wert für die Stromschwelle wiederum mit Cursor oben/unten ein, z.B. 40A. Mit Set ist dieser Wert festgeschrieben, Cursor nach unten kommt man zum nächsten Punkt, das ist in der selben Zeile das "-" Symbol. Mit Set und Cursor unten ändert man es zu "+" und ab jetzt ist dieser Alarm auch aktiv und wird bei Überschreiten an die Fernsteuerung gesendet.
Mit Cursor links kommt man wieder ein Menü höher.

Alleine bei der Liste der Einstellungen im Unilog kann man sehen dass da jemand gearbeitet hat, der das System auch selbst einsetzt. Beispielsweise wann soll die interne Protokollierung aufhören? Dann wenn das Flugzeug gelandet ist und steht, also wenn der Höhenmesser - ebenfalls eingebaut - wieder Höhe Null Meter anzeigt UND der Motorstrom unter einen Schwellwert fällt, also in Leerlauf ist. Ich habe bis jetzt nichts gefunden das ich da verbessern würde und ich bin seeeehr kritisch und kreativ.

Im Sender wurde noch das Telemetrie-Modul "General" aktiviert, in diesem sieht man alle Kenndaten die vom UniLog2 kommen. Einzelne Zellenspannungen, Gesamt-Volt, Strom. Okay, die Tankanzeige wird verwendet um den Akku-Status anzuzeigen, auch egal.

Die einzige Kleinigkeit, die ich bis jetzt gefunden habe und ein wenig stört ist, dass man die Cursortasten langsam hintereinander drücken muss, die Hott Telemetrie hat offensichtlich keine Flusssteuerung sondern sendet die Daten ab ohne sich darum zu kümmern ob sie alle verarbeitet werden. Ist auch klar warum, ich möchte lieber aktuelle Daten haben als darauf zu warten das ein Messwert wirklich angekommen ist. Lieber einen Wert auf der Funkstrecke verlieren als unaktuell sein. Im Ergebnis muss man also nachsehen ob sich ein Tastendruck auch wirklich angekommen ist und kann sich nicht verlassen dass, wenn man drei mal schnell Cursor-Unten drückt, auch wirklich beim dritten Menupunkt angekommen ist. Okay, fein, Kleinigkeit. Lieber so als anders.

Ich muss also hier wirklich meinen Hut ziehen, vor Graupner die eine exzellente Fernsteuerung gebaut haben und auch den Mut haben, ein offenes System zum Wohle des Kunden zu bauen, anstatt ihn auf Biegen und Brechen an seine Zubehör-Module zu binden. Und an SM-Modellbau für die ausgezeichnete Arbeit mit dem UniLog2.

Mit diesem System fliege ich zwar nicht besser aber beruhigter und länger. So lange die Fernsteuerung keinen Alarm ausgibt, weiss ich dass alles im Grünen Bereich ist, andernfalls lande ich und sehe mir an was los ist, ach, ich habe schon 2000mAh verflogen?, wechseln wir mal lieber den Akku.